Kinofilme

Seit die Bilder laufen lernten, sind Spiel- und Dokumentarfilme ein Medium, das Menschen zusammenbringt, informiert und unterhält, über Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse aufklärt und – im besten Fall – zu eigenständigem Handeln ermuntert. Das war zu Sergei Eisensteins Zeit der Fall, der 1924/25 die Stummfilme »Streik« und »Panzerkreuzer Potemkin« drehte oder bei Charlie Chaplin, der 1936 »Moderne Zeiten« sowie 1940 den »großen Diktator« in Szene setzte. Und das ist heute nicht anders.

Deshalb zeigt das Konstanzer Zebra-Kino in Kooperation mit dem ver.di-Ortsverein Medien + Kunst Konstanz vor, während und nach unserer Ausstellung und den Diskussions- und Vortragsveranstaltungen eine Reihe von Filmen, die aktuelle Zustände thematisieren und zeigen, wie sich Lohnabhängige wehren.

Sorry We Missed You

Ricky Turner und seine Familie kämpfen gegen die Folgen der Finanzmarktkrise des Jahrs 2008. Die Familie hat Schulden, und als der Vater einen neuen Job als Paketbote bekommt, bietet sich ihnen endlich die Chance, die Misere zu beenden. Er will als selbstständiger Fahrer arbeiten und hofft, hierdurch ein wenig von seiner Unabhängigkeit zurückzuerlangen. Doch die Bedingungen in der schönen neuen Arbeitswelt sind gnadenlos …

Nach »Land and Freedom« (über Freiwillige im Spanischen Bürgerkrieg, 1995), »Bread and Roses« (über den Kampf für bessere Arbeitsbedingungen von illegalen EinwanderInnen, 2000), »It’s a Free World« (über LeiharbeiterInnen, 2007) oder »I, Daniel Blake« (über einen Sozialhilfeempfänger, 2016) ist »Sorry We Missed You« ein weiteres Meisterwerk des vielfach ausgezeichneten britischen Regisseurs Ken Loach.

Spielfilm Britannien 2019, 101 Minuten
Original (mit Untertiteln)

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Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit

Harte Arbeitsbedingungen und miese Löhne: Das Leben von osteuropäischen LeiharbeiterInnen ist häufig alles andere als glamourös. In ihrem Dokumentarfilm zeigt Regisseurin Yulia Lokshina eine Welt, der man im Alltag normalerweise nicht begegnet.
Zum Inhalt: In der westdeutschen Provinz kämpfen osteuropäische LeiharbeiterInnen des größten Schweineschlachtbetriebs des Landes ums Überleben – und AktivistInnen, die sich für deren Rechte einsetzen, mit den Behörden. Zur gleichen Zeit proben Münchener GymnasiastInnen das Stück »Die Heilige Johanna der Schlachthöfe« und reflektieren über die deutschen Wirtschaftsstrukturen und ihr Verhältnis dazu.
Verwoben mit den Gedankengängen der Jugendlichen und ihrer Auseinandersetzung mit dem Text in den Proben erzählt der Film in unterschiedlichen Fragmenten über Bedingungen und Facetten von Leiharbeit und Arbeitsmigration in Deutschland.
Der Film wurde 2020 mit dem Max-Öphüls-Preis ausgezeichnet.

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Merci Patron!

Profitsucht, Ausverkauf, Outsourcing, Lohn-Dumping: Auch in Frankreich sind Beschäftigte davon betroffen. Und so reagiert das Ehepaar Jocelyn und Serge Klur mit einem entschiedenen »Non!«, als ihre Arbeitsstellen nach Polen ausgelagert werden sollen. Zusammen mit Dokufilmer François Ruffin machen die beiden sich auf die Suche nach Antworten auf diverse Fragen. Warum ziehen die Jobs weg? Warum werden die Existenzen von Familien gefährdet? Wann ist die Profitmarge groß genug? Wie soll man sich in diesem Klima ein einigermaßen sorgenfreies Leben aufbauen?
Oberflächlich betrachtet ist die Kampagne der Klurs gegen Bernard Arnault, einem der reichsten Franzosen, ein amüsantes Spektakel, das an die Filme von Michael Moore erinnert. Darunter jedoch entpuppt sich »Merci, Patron!« als ein erfolgreiches und durchaus effizientes politisches Werkzeug, das mit dem Aufstieg einer französischen Protestbewegung seit dem Frühjahr 2016 in Verbindung gebracht wird. In jedem Fall ein eindrucksvolles Beispiel für die mannigfaltigen Wellen, die ein (Dokumentar)Film schlagen kann.
Frankreich 2017, 84 Min.

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Der marktgerechte Mensch

Der Mensch als Ware? Das ist eine Konsequenz der Veränderungen, die das kapitalistische System seit Jahren umwälzt und immer mehr Menschen in mehr oder weniger prekäre Arbeitsverhältnisse zwingt. Spätestens seit der großen Finanzkrise befindet sich der Arbeitsmarkt im Umbruch. Die soziale Marktwirtschaft und die über Jahrzehnte erstrittenen Solidarsysteme werden mehr und mehr ausgehebelt. Der sich immer weiter beschleunigende Wettbewerb bringt das gesamte gesellschaftliche Gefüge in Gefahr. Das soziale Gewebe droht durch Verarmung, Vereinzelung und Entsolidarisierung zu zerbrechen.

Nachdem Leslie Franke und Herdolor Lorenz sich in »Der marktgerechte Patient« (2018) kritisch mit dem akuten Zustand des Gesundheitssystems auseinandergesetzt haben, erzählt »Der marktgerechte Mensch« anhand einer repräsentativen Auswahl von Fallbeispielen nun von den verheerenden Veränderungen unseres Arbeitsmarkts. Unsichere und prekäre Beschäftigungsverhältnisse, algorithmusgesteuerte Arbeitsprozesse und Crowdworking haben unser Leben in den letzten Jahren rasant verändert – und nicht selten zu zerstörten Lebensläufen und psychischen Erkrankungen geführt.

Der Film zeigt aber auch Solidarität zwischen jungen Menschen, die für einen Systemwandel eintreten, und stellt Betriebe vor, die nach dem Prinzip des Gemeinwohls wirtschaften. »Der marktgerechte Mensch« will Mut machen und dazu motivieren, sich zusammenzuschließen und einzumischen. Denn ein anderes, gerechteres Leben ist möglich!

Dokumentarfilm Deutschland 2020

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Luft zum Atmen

1972 gründeten ein paar Arbeiter und Revolutionäre bei Opel in Bochum die »Gruppe oppositioneller Gewerkschafter« (GoG). Die GoG existierte über 40 Jahre und hat mit ihrer radikalen Betriebsarbeit den Widerstandsgeist in der Bochumer Belegschaft befeuert.
Als Betriebsräte gaben sie geheime Informationen an die Belegschaft weiter, sie sorgten für achtstündige Betriebsversammlungen, kämpften gegen Krankenschikane, organisierten ihren eigenen Bildungsurlaub und versuchten, auf eigenen Faust Kontakte zwischen den verschiedenen General-Motors-Belegschaften in Europa herzustellen: Durch internationale Solidarität sollten in den 90er Jahren Standortkonkurrenz und die Erpressungen von Belegschaften verhindert werden.
Ihre Aktionen gipfelten schließlich in einem der wichtigsten Wilden Streiks der deutschen Nachkriegsgeschichte, als die Bochumer Belegschaft im Oktober 2004 sechs Tage lang das Werk besetzte und die Produktion in ganz Europa lahmlegte.
Der Dokumentarfilm porträtiert KollegInnen, die sich Gehör verschafften. Ihre Praxis einer unbeirrten Betriebspolitik von unten zeigt, dass Widerstand möglich ist.

Dokumentarfilm Deutschland, 70 Minuten

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Unsere Vorhaben

Eigentlich hatten wir die Veranstaltungen zu unserem Jubiläum pünktlich fürs Jahr 2020 geplant. Doch dann kam die Pandemie. Und wir mussten alles verschieben. Zuerst aufs Frühjahr 2021 – und jetzt erneut.

Nach unserer derzeitigen Planung werden die Ausstellung, die Debatten, die Konzerte und Filmvorführungen im Frühling 2022 stattfinden. Über die genauen Termine informieren wir über unsere Social-media-Kanäle, den Newsletter und auf dieser Website. Was wir vorhaben, sehen Sie, wenn Sie diesen Hinweis wegklicken.

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